Bus in Afghanistan

© Susan Zerwinsky 2003
Unterwegs in Afghanistan (2002 - 2007)

Aktuelles

Februar 2010

Lektürehinweis:

Beitrag des DAAD zum Stabilitätspakt Afghanistan (2002 – 2009)Sehr empfehlen möchte ich die Lektüre der aktuellen Publikation „Bildung bedeutet Zukunft. Akademischer Aufbau in Afghanistan“, die der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) im Januar 2010 veröffentlicht hat.Die Publikation stellt in einer umfassenden Gesamtschau die seit 2002 mit Mitteln des Auswärtigen Amtes Berlin finanzierten DAAD-Aktivitäten deutscher Hochschulen und Akademiker zum akademischen Wiederaufbau in Afghanistan vor. Ein höchst lesenwerter, facetten- und kenntnisreicher Überblick, dem ich in der deutschen Öffentlichkeit eine breite Leserschaft wünsche!

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September 2009

Wiedersehen mit Herrn Sabir

Seine Schüsseln voller Kartoffelsalat und leckerer, kleiner Frikadellen - von einer Freundin liebevoll "Frikos" genannt - sind bis heute unvergessen. Immer stand etwas Köstliches im Kühlschrank meines Hauses im Kabuler Stadteil Kart-e-Tschor bereit, wenn ich am Abend hungrig nach Hause zurückkehrte. Herr Sabir war mehr als nur ein Hausange-stellter.Wiedersehen mit Herrn SabirEr war die gute afghanische Seele des Hauses, das ich whrend meiner Jahre in Kabul (2002-2007) bewohnte. Ohne ihn wre es nicht gegangen: Brennholz und Gasflaschen mussten angeschleppt, tropfende Boiler und verstopfte Wassertanks repariert werden. Der Garten wurde unter seiner Pflege zu einem Paradies - die von ihm gepflanzten meterhohen Rosenstöcke trugen bis weit in den November hinein Blüten. War ich krank, kochte Herr Sabir Hühnersuppe mit viel Zitrone. Gab es etwas zu feiern, tischte der emsige Afghane auf: Sauerbraten, Rindersteaks mit Knoblauch, Leipziger Allerlei, Schüsseln voller Pudding, Ashhok und Mantou. War ich außerhalb des Landes, hütete Herr Sabir mit Argusaugen Haus und Hof. Ich habe mich keinen Tag bedroht gefühlt und konnte mich bedingungslos auf seine Hilfe verlassen. Durch Herrn Sabir erfuhr ich, was "Volkes Stimme" über den Wiederaufbau und die Anwesenheit der NATO sagte und am Krankenhausbett von Herrn Sabirs kleinem Sohn, der geduldig einen gebrochenen Arm ausheilte, sah ich, welch liebevoller Vater er ist. Nur einmal erlebte ich diesen kleinen, drahtigen Mann geschwcht: Whrend des Fastenmonats Ramadan 2006 bereitete er den ganzen Nachmittag ein mehrgngiges Abendessen für meine Gste vor. Kurz vor deren Eintreffen ging ich zu ihm in die Küche. Da lag er ohnmchtig vor dem Herd. Zum ersten Mal hatte der fastende Muslim seine Krfte überschtzt. Mit großen Augen wachte er wenig spter etwas verwirrt im Gstezimmer auf. Aber er blieb zufrieden liegen, um sich auszuruhen. Ich musste ihm allerdings erst versichern, dass die Gste auch ohne ihn gut versorgt seien.

Herr Sabir und seine Rosen

Ich bin Herrn Sabir 2008 bei einem Kurzbesuch in Kabul noch einmal persönlich begegnet. Wir waren beide tief bewegt und es wurde ein herzliches Wiedersehen voller Wrme und Lachen. Stolz berichtete mir Herr Sabir von seinen neuen Arbeitgebern und von dem Fortgang der Entwicklung seiner Kinder. "Sie sind wie ein Vater zu mir gewesen", gab ich ihm zum Abschied mit auf den Weg und nahm den alten Mann ein letztes Mal fest in die Arme. Er küsste mich gerührt auf beide Wangen, murmelte etwas und huschte schnell aus der Tür. Vergessen werden wir uns nie.

Ich bin Friederike Böge, die ich persönlich in Afghanistan kennen gelernt habe, für ihren Artikel über Herrn Sabir sehr dankbar. Sie rückt damit eine in unseren Tagen scheinbar vergessen Tatsache neu ins Bewusstsein: In Afghanistan leben liebenswerte Menschen, wie Herr Sabir und seine Familie. Menschen, die durch ihre Biographie beweisen, dass ein friedliches und von gegenseitigem Respekt getragenes Miteinander zwischen Afghanen und Menschen anderer Nationen möglich ist. Menschen mit großem Herz und unendlicher Hoffnung auf ein friedliches Morgen. Menschen, die wir nicht allein lassen dürfen und die unseren Beistand bei den mannigfaltigen Problemen am Hindukusch in diesen Tagen dringender denn je benötigen.

Lektüreempfehlung: "Herr Sabir und seine Deutschen"

Oktober 2008

Annemarie Schwarzenbach

«. am Ende der Welt»
Vortrag zum 100. Geburtstag von Annemarie Schwarzenbach.

Annemarie Schwarzenbach, Tagung zum 100. Geburtstag

Tagung zum 100. Geburtstag

Sils-Maria, Schweiz
Hotel Waldhaus
16.-19. Oktober 2008

Ausgehend von der aktuellen politischen Krise in Afghanistan und den der deutschsprachigen (Medien-) öffentlichkeit prsentierten Afghanistanbildern gehe ich in meinem Vortrag am 18.10.2008 der Frage nach, wie sich unsere Afghanistanbilder historisch entwickelt haben und wie aus dem einstigen Sehnsuchtsort Afghanistan allmhlich der Schreckensort Absurdistan wurde. Dabei stelle ich die afghanischen Identitten und kulturellen Rumen vor, die im Schreiben über den Vielvölkerstaat Afghanistan von Annemarie Schwarzenbach konstruiert wurden und ordne deren Rezeption, Bestand und Kritik in den literaturwissenschaftlichen Kanon ein. Darüber hinaus untersuche ich, warum es innerhalb der deutschsprachigen Literaturwissenschaft bislang keine nennenswerte Auseinandersetzung mit den literarischen und medialen Lebenswelten Afghanistans gab, bzw. warum es sie nicht oder nur am Rande gibt und wie sich diese Randstellung deutscher Afghanistanbilder in der literaturwissenschaftlichen Diskussion erklren lsst. Auch hierbei soll im Zentrum Annemarie Schwarzenbach Position und Bedeutung stehen.

Im Ergebnis meiner Analysen fasse ich zusammen, warum und wie afghanische Wirklichkeiten in deutschsprachigen literarischen Texten, ausgewhlten Beispielen der Presse- und Medienberichterstattung, durch Fotografie, Film und Malerei konstruiert wurden (und werden), welche Rolle dabei Annemarie Schwarzenbach spielt und über welche Formen der Reprsentation und Symbolik diese Bilder begriffen und interpretiert werden können.


September 2008

Neuerscheinung: Lessing in Kabul

Zwischen Deutschland und Afghanistan existieren heute vielfltige bildungspolitische, sprachliche und kulturelle Bindungen, deren Anfnge teilweise bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück zu verfolgen sind. Durch alle Krisen und historischen Umbrüche, die beide Staaten durchlebten, hatte der kulturelle Austausch Bestand und konnte in Umfang und Qualitt wachsen. Die hier versammelten Autorinnen und Autoren begeben sich in Lessing in Kabul auf die Spurensuche nach den Ursachen des bemerkenswert hohen Stellenwertes, den die deutsche Sprache und Kultur in Afghanistan genieen. Sie untersuchen die Wertschtzung, die deutscher Literatur in Afghanistan entgegengebracht wird und lassen die Entwicklung der afghanischen Auslandsgermanistik Revue passieren.

Lessing in Kabul

Lessing in Kabul
Deutsche Sprache, Literatur und Germanistik in Afghanistan.

2008 · ISBN 978-3-89129-569-4 · 245 S., · kt. · EUR 26,-

Das Buch kann direkt beim iudicium Verlag bestellt werden. Bitte folgen Sie dem Link zum Bestellformular.


Verleihung der Goethe-Medaille 2008

Susan Zerwinsky über die Verleihung der Goethe-Medaille 2008 an den afghanischen Germanisten Prof. Gholam Dastgir Behbud in Weimar.

Gholam Dastgir Bebhud bei der Verleihung der Goethe Medaille 2008

Qantara.de

Der Germanist von Kabul

Mit der Verleihung der Goethe-Medaille würdigt das Goethe-Institut Gholam Dastgir Behbud, der sich in Afghanistan für die Germanistik und den Wiederaufbau der Universitt einsetzt. Ein Portrt des Literaten und Akademikers von Susan Zerwinsky.

DAAD-Magazin

Der Brückenbauer

Der afghanische Germanist und übersetzer Gholam Dastgir Bebhud engagiert sich unter schwierigen Bedingungen in Kabul für die deutsche Sprache. Die Bundesrepublik Deutschland ehrt den DAAD-Alumnus am 26. Mrz mit der Goethe-Medaille.